
Bleiben, obwohl man gehen möchte. Lachen, obwohl man weinen möchte. Gemeinsam in den Urlaub fahren, um der Einsamkeit zu entfliehen. Viele Menschen verharren in trostlosen und längst erloschenen Liebesbeziehungen. Die Gründe sind vielfältig. Allen voran Klassiker wie: die Kinder, das Haus, das Geld oder die Meinung anderer. Aber ist die eigene Lebenszeit nicht mehr wert als auszuharren und zu hoffen, dass es irgendwann wieder besser wird?
Beziehung als Status
Wenn die Beziehung zum Statussymbol wird, bleibt unter Umständen das auf der Strecke, was die Beziehung lebenswert macht. Liebe, Anerkennung, Vertrauen und Nähe. Viele merken, dass sie sich nicht mehr wohlfühlen. Trotzdem bleiben sie in der Beziehung. Früher war eine langjährige Beziehung ein Zeichen des Erfolgs. Zum Glück denkt man heute mehr über Unabhängigkeit und „echte” Verbindungen nach. Eine langjährige Beziehung muss kein Zeichen von Erfolg sein. Natürlich ist nicht jede langjährige Beziehung Show oder wird künstlich aufrechterhalten. Etwa 20 % der Menschen in Beziehungen sind unzufrieden. International sind es sogar 35 %. Eine Beziehung sollte man nicht als Objekt betrachten. Eine Beziehung sollte nicht erfolgreich oder erfolglos sein. Eine Beziehung soll wachsen. Menschen verbinden sich aus Liebe. Der Wert eines Menschen oder das Ansehen eines Menschen darf nicht von dem Beziehungsstatus abhängig sein. Wer sich nicht an destruktive Beziehungen bindet, sondern selbstständig ist und seine Beziehungen bewusst eingeht, ist erfolgreicher als derjenige, der aus niederen Beweggründen in eine Beziehung geht. Wenn du also an einer Beziehung festhältst, nur weil es so gemacht wird, oder weil es besser aussieht, dann überlege, wem du damit etwas beweisen willst. Eventuell stecken alte, antrainierte Gedankenmuster dahinter, die dir heute aber eher schaden als helfen. Führen wir Beziehungen nur für den Status, werden wir der eigentlichen Bedeutung nicht gerecht. Die Verbindung zu Menschen ist wertvoll, und deine Lebenszeit ist es ebenfalls. Je länger du in unglücklich machenden Beziehungen feststeckst, umso frustrierter und trauriger wirst du darüber, dass dir Chancen für das große Glück entgehen.
Gründe vorschieben, aus Angst
Viele Menschen bleiben in Beziehungen, obwohl sie tief im Inneren spüren, dass sie nicht mehr glücklich sind. Statt eine klare Entscheidung zu treffen, schieben sie Gründe vor, warum eine Trennung „gerade nicht geht“. Oft steckt dahinter weniger die tatsächliche Situation – sondern Angst.
Eine der häufigsten vorgeschobenen Begründungen lautet: „Jetzt ist einfach nicht der richtige Zeitpunkt.“ Mal ist es der Stress im Job, mal eine schwierige Phase beim Partner oder ein bevorstehender Geburtstag. Wer dauerhaft auf den idealen Zeitpunkt wartet, versucht meist, die eigene Unsicherheit zu überdecken. Den perfekten Zeitpunkt für eine Trennung gibt es nie. Der Zeitpunkt ist dann der richtige, wenn wir ihn selbst dazu machen.
Ein weiterer typischer Satz ist: „Ich kann ihm/ihr das nicht antun.“ Dahinter verbirgt sich häufig die Angst vor Schuldgefühlen. Man fürchtet, den anderen zu verletzen, als herzlos zu gelten oder die Verantwortung für dessen Schmerz tragen zu müssen. Dabei wird übersehen, dass ein Verbleib aus Mitleid langfristig mehr Leid verursachen kann – für beide Seiten. Es ist weder sich selbst noch dem Partner gegenüber ehrlich, aus Mitleid zu bleiben. Die Gefahr ist groß, irgendwann nicht mehr zu wissen, wer man selbst ist und was man eigentlich in seinem Leben möchte. Auch fürchten viele, aus dem Umfeld verurteilt zu werden. An dieser Stelle ist wichtig zu verinnerlichen: Niemand ist für das Glück des anderen zuständig. Sobald wir uns auf Beziehungen einlassen, egal in welchem Kontext, kann es passieren, dass wir verletzt werden.
Auch äußere Umstände dienen oft als Argument: gemeinsame Wohnung, Kinder oder finanzielle Verbindlichkeiten. Diese Aspekte sind ernst zu nehmen und machen eine Trennung komplexer. Dennoch werden sie manchmal vorgeschoben, um sich nicht mit der eigenen Angst vor Veränderung auseinandersetzen zu müssen. Denn eine Trennung bedeutet immer auch Unsicherheit: Wie wird mein Leben danach aussehen? Werde ich allein sein? Habe ich die richtige Entscheidung getroffen, oder bereue ich es? Insbesondere, wenn Kinder da sind, macht es Sinn, eine Trennung zu hinterfragen und zu schauen, ob es andere Lösungen gibt, die Beziehung aufrecht zu halten. Keinem Kind ist damit geholfen, ständig streitende Eltern um sich herum zu haben. Kein Kind möchte und darf zwischen den Stühlen sitzen, Kinder sollten nicht als Vermittler hinzugezogen werden und schon gar nicht dürfen Kinder die Verantwortung dafür bekommen, dass die Beziehung weitergeführt werden kann. Sätze wie: “Wir sind nur wegen dir noch zusammen“ oder “Hätten wir euch Kinder nicht, wären wir längst getrennt“ sind Gift für Kinderseelen. Eine klar kommunizierte und solide geregelte Trennung, ist für Kinder leichter zu verarbeiten, als diese emotionale Zerrissenheit.
Die größte Angst ist aber sehr häufig die vor dem Alleinsein. Selbst eine unglückliche Beziehung kann vertraut wirken. Man kennt typische Verhaltensweisen, die Konflikte, sogar die Enttäuschungen sind einem irgendwie “vertraut“. Das Unbekannte dagegen wirkt bedrohlich. Also bleibt man – nicht aus Liebe, sondern aus Furcht vor der Leere. Torschlusspanik, ein gern genutzter Begriff. Die Angst, zu alt zu sein, um neu zu starten. Zu alt, um jemand Neues kennenzulernen. Dann lieber halten, was man hat. Egal, ob man glücklich ist oder nicht. Das ist oft der Punkt, an dem Seitensprünge passieren. Ein Teil will bleiben, aber der viel lautere Teil will gehen. Um beides zu vereinen, gehen Menschen in Außenbeziehungen. Dabei geht es nicht ausschließlich um Sexualität. Im Gegenteil, oft ist eine Umarmung, eine nette Geste oder ein liebevoll aufgebrühter Kaffee das, was die Emotionen höher schlagen lässt. Eine Weile kann das gut funktionieren, aber irgendwann möchte unser Inneres gelebt werden. Unsere Persönlichkeit möchte sich entfalten und das tun, was sie glücklich macht- bevor sie uns krank macht.
Sich diese Mechanismen einzugestehen, ist der erste Schritt. Ehrlichkeit sich selbst gegenüber erfordert Mut. Doch nur, wer erkennt, welche Ängste ihn zurückhalten, kann eine bewusste Entscheidung treffen – für die Beziehung oder für einen Neuanfang. Manchmal ist das Festhalten schmerzhafter als das Loslassen.
Wenn Beziehung krank macht
Beziehungen sollen Halt geben, Kraft spenden und ein Gefühl von Zugehörigkeit vermitteln. Doch was passiert, wenn genau das Gegenteil eintritt? Wenn eine Beziehung nicht stärkt, sondern schwächt – nicht aufbaut, sondern krank macht?
Eine dauerhaft belastende Partnerschaft kann sich auf vielfältige Weise auf die Gesundheit auswirken. Ständige Konflikte, Kontrolle oder das Gefühl, für alles verantwortlich zu sein, erzeugen Stress. Dieser Stress bleibt nicht nur im Kopf, sondern wirkt sich auch körperlich aus: Schlafstörungen, Magenprobleme, Kopfschmerzen, Erschöpfung oder ein geschwächtes Immunsystem können Anzeichen sein. Der Körper reagiert oft früher, als der Verstand zugibt, dass etwas nicht stimmt. Irgendwann sind Depressionen oder Angstzustände die Folge. Sich regelmäßig selbst zu verleumden und die Beziehung weiterzuführen, ohne auf sich und seine Gesundheit zu achten, kann gravierende Folgen haben. Insbesondere vorbelastete Menschen sollten daher achtsam mit sich und den eigenen Emotionen umgehen.
Oft reden Betroffene ihre Situation klein. „So schlimm ist es nicht“, „Andere haben es schlimmer“ oder „Jede Beziehung hat Probleme“ sind typische Gedanken. Doch eine gesunde Beziehung darf fordern – sie sollte jedoch nicht dauerhaft krank machen. Unterschiedliche Meinungen und Konflikte gehören dazu, aber Respekt, Sicherheit und gegenseitige Wertschätzung sind unverzichtbare Grundlagen. Die oben genannten Sätze sind nichts weiter als Schutzbehauptungen, um auch den eventuell toxischen Partner zu schützen. Aber auch, um sich selbst zu schützen, vor Meinungen anderer oder aber auch vor der Wahrheit, die andere oft deutlich früher erkennen als wir selbst. Also auch hier wieder: Angst, das wiederkehrende Muster. Angst vor der Meinung anderer. Eventuell haben die ja Recht!
Sich einzugestehen, dass eine Beziehung ungesund ist, fällt schwer. Gefühle, gemeinsame Erinnerungen, die Angst vor dem Alleinsein oder Angst, ein Statussymbol zu verlieren, halten viele Menschen zurück. Doch die eigene seelische und körperliche Gesundheit sollte nicht aufgegeben werden.
Manchmal ist Liebe nicht genug. Und manchmal ist der mutigste Schritt nicht das Aushalten, sondern das Loslassen – um sich selbst zu schützen!
Abhängigkeit ist eine Entscheidung
Die vielen Faktoren, die Menschen davon abhalten, sich zu trennen, sind zum größten Teil selbst gewählt. Finanzielle Verbindlichkeiten, Kinder, Immobilien etc. sind Faktoren, die wir selbst wählen und uns entscheiden, in unserem Leben Platz zu geben. Nichts davon fällt vom Himmel und ist plötzlich da. Wir dürfen also auch gerne hinterfragen, ob die ein oder andere Entscheidung sinnvoll war und ein starkes Fundament hat oder auch aus einem der oberen genannten Muster heraus getroffen wurde. Die Entscheidung lässt sich zwar nicht mehr rückgängig machen, jedoch können wir Lehren daraus ziehen und entscheiden, diese Entscheidung nicht unser ganzes Leben bestimmen zu lassen. Es gab Entscheidungen, die zu dem Zeitpunkt, als sie getroffen wurden, gut waren, aber heute eben nicht mehr gut ins Leben passen. Wenn ich mir das eingestehe, fällt es mir leichter, Konsequenzen zu ziehen und das Beste daraus zu machen. Andernfalls werde ich diese Entscheidung immer als Bremsklotz vor mir sehen, der mich daran hindert, neue Wege zu gehen. Die Frustration steigt, weil ich nur die Hürden sehe, aber nicht das, wobei es mir hilfreich sein kann. Die Bewusstmachung, dass alles, was in meinem Leben passiert, auf meinen eigenen Handlungen/ Entscheidungen beruht, richtet den Fokus mehr auf das, was ich ändern kann, als auf das, was andere ändern können. Andere können in den seltensten Fällen etwas für uns verändern.
Wenn folgende Faktoren zutreffen, ziehe eine Trennung in Erwägung
- massive und wiederkehrende Gewalt sind an der Tagesordnung (Körperlich, aber auch psychisch)
- einer von euch hat das Gefühl, für alles allein verantwortlich zu sein und nicht wahrgenommen zu werden
- es herrscht ein großes Gefälle zwischen Geben und Nehmen, die Bedürfnisse nur eines Partners werden berücksichtigt
- Konfliktphasen und rege Diskussionen überwiegen die Phasen der Harmonie und Freude
- ungleiche Erziehungsstile (Folgen spürbar für das Kind)
- Lügen und Heimlichkeiten werden als Vermeidung eines Konfliktes genutzt
- selbst mit professioneller Unterstützung und diversen Versuchen, Lösungen zu finden, ändert sich nichts
Hierbei kann Unterstützung helfen, die Beziehung glücklich fortzuführen
- wiederkehrende Konflikte
- sexuelle Vorlieben verändern sich
- Wertschätzung und Anerkennung fehlen oder werden nicht wahrgenommen
- Zukunftsvisionen gehen auseinander
- Ein Seitensprung wurde gebeichtet und die Unsicherheit ist groß
- Streit endet immer darin, dass einer das haus verlässt
- die Kommunikation schläft ein oder wird als nicht wichtig angesehen
Grundsätzlich ist jeder für sich selbst verantwortlich! Welche Verhaltensweisen jemand akzeptiert und toleriert liegt bei jedem selbst. Aber wenn Beziehung krank und oder unglücklich macht, dann darf diese definitiv hinterfragt und ggf. sich beendet werden. Das was für den einen funktioniert, funktioniert für jemand anderen überhaupt nicht. Niemand sollte aber aufgrund alter, antrainierter Muster an etwas festhalten, was eigentlich zum loslassen wäre.
Beziehung ist eine Entscheidung, keine Option !
Kurzes persönliches Statement von mir:
Würde ich in einer krankmachenden Beziehung verharren? Finde ich Gründe, um zu bleiben, obwohl ich gehen möchte?
NEIN! Als ich mit 20 Jahren meine erste Beziehung eingegangen bin, war ich sicher deutlich naiver und unwissender, über das, was ich möchte oder nicht. Niemals wäre ich aber in dieser Beziehung geblieben, nur um zu beweisen, Stärke zu zeigen oder irgendwem oder was gerecht zu werden. Ich habe an der Beziehung gearbeitet, habe hinterfragt und versucht, Lösungen zu finden. Mit 24 Jahren war ich aber aus dieser Beziehung herausgewachsen und es gab für mich nichts, was mich hätte mehr erfüllen können. Mein damaliger Partner ist, aus meiner Sicht, nicht mit gewachsen (bis heute übrigens nicht ;)) und somit war die Trennung der einzige gangbare Weg. Geprägt von meinem Elternhaus, in dem ich gelernt habe, dass Respekt, Wertschätzung, Nähe – Distanz, aber auch Konflikte und Versöhnen wichtige Grundpfeiler einer Beziehung sind, wusste ich dann, wie ich mir Beziehung vorstelle und welchen Menschen ich brauche. Kurz geglaubt, denjenigen gefunden zu haben, führte ich noch 2,5 Jahre eine Beziehung, die mir gezeigt hat, dass ich genauer hinschauen muss. Solider hinterfragen muss, ob das wirklich etwas ist, was ich brauche oder nicht. Das habe ich in 3,5 Jahren Single sein getan. Ich habe in der Zeit viel gelernt, über mich und meine Persönlichkeit. Psychologie hat mich immer schon begeistert, und auch mein 2. Staatsexamen drehte sich um das Thema psychosoziale Verhaltensweisen und wie Psychopharmaka diese beeinflussen und verfälschen können. Ich habe mich von da an noch intensiver mit Beziehungsdynamiken und persönlicher Entwicklung von Menschen beschäftigt. 4 Jahre Fernstudium, Seminare, Prüfungen und kontinuierliche Weiterbildung lassen mich heute dort stehen, wo ich stehe. Das war nicht immer einfach und auch nicht nur Freude und Spaß, aber mein grundlegendes positives und freudiges Wesen hat es mir leichter gemacht. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen hinterfrage ich immer wieder einzelne Beziehungen und Verbindungen und halte nichts aus Angst oder Unsicherheit fest. Sobald ich merke mir tut etwas nachhaltig nicht gut oder ich fühle mich nicht gut, muss ich schauen, ob und wie ich etwas verändern kann. Manchmal vergehen diese Gedanken und stellen sich als nicht verfolgungswürdig heraus. Manchmal aber auch nicht. Glücklicherweise darf ich aber seit Jahren- sogar Jahrzehnten- tolle Menschen zu meinem Freundeskreis zählen, seit fast 11 Jahren einen tollen Partner an meiner Seite wissen und auch beruflich inspirierende und wertschätzende Menschen treffen.
Ich setze mich durchaus mit meinen Mitmenschen auseinander, aber eben nicht um jeden Preis! Ich bin lieber allein und zufrieden mit mir, als unzufrieden mit jemand anderem. Egal in welchem Kontext. Ob Freundschaft, Beziehung oder Beruf. Menschen bekommen etwas von mir und wenn sie das nicht wertschätzen oder aus Gründen nicht fähig sind, das zu erkennen, dann ist meine Zeit das nicht wert zu erkämpfen. Da draußen darf gerne jeder denken was er möchte, das war mir noch nie wichtig. Ich habe gelernt, dass die Leute sowieso denken, was sie möchten. Das ist ok, tu ich ja auch 😉
Ich freue mich immer, wenn meine Klienten im Laufe des Prozesses auch ihren eigenen Wert erkennen und entsprechend handeln können!:)
Dein Coach Nadja














