
Diese Aussage ist eine psychologische Erkenntnis. Sie besagt, dass das Verhalten anderer Menschen Dir gegenüber mehr über ihre eigene Unsicherheit oder ihre inneren Konflikte aussagt, als über Dich. Du erinnerst dich vielleicht an “Peter und Paul“ 😉 Wir erleben hier eine Projektion, bei der eigene negative Gefühle oder Probleme auf andere übertragen werden, um sich selbst besser zu fühlen oder die eigene innere Unruhe zu kompensieren. Menschen mit dieser Neigung haben oftmals ein niedriges Selbstwertgefühl. Sie müssen sich selbst aufwerten, indem sie andere abwerten. Manche projizieren auch ihre eigenen Mängel auf andere.
Abwertung: Wenn der Selbstwert des anderen deinem unterlegen ist
Es ist der Klassiker: Andere abwerten, um sich selbst aufzuwerten. Der einfachste Ego-Push der Welt. Wenn ich anderen zeige, wie unfähig und fehlerbehaftet sie sind, dann merken sie nicht, dass ich selbst auch Fehler habe. Und ich kann dann auch leichter über meine Fehler hinwegsehen.
Denn ein Fakt ist: Nobody’s perfect! Das heißt, dass jeder Mensch Eigenschaften besitzt, die manch andere Menschen überhaupt nicht gut finden und sich damit auch nicht arrangieren können (oder wollen). Das ist völlig in Ordnung und gehört zum Leben dazu. Jeder Mensch ist anders, auch wenn heute anscheinend alle gleich sein wollen – leider. Wir werden niemals ein Mensch werden, den 100% der Bevölkerung toll finden, so sehr wir uns auch anstrengen (bitte nicht!).
So viele Menschen haben Zweifel an sich und ihren Fähigkeiten. Sie sind unzufrieden mit dem Erreichten, mäkeln an ihrem Äußeren oder an ihren Lebensumständen. Irgendwas an ihnen sorgt ständig für Sorgen, Ängste, Nöte und gar Verzweiflung. Nicht ohne Grund steigt die Zahl an psychischen Neu- und Wiedererkrankungen jedes Jahr. Inzwischen sind es immer mehr Jugendliche und sehr junge Erwachsene, die regelmäßig Psychopharmaka einnehmen „müssen“. Schlechte Schlafqualität, Angststörungen, Essstörungen und Überforderung sind heute unter jungen Menschen leider keine Seltenheit mehr.
Und weil das gesellschaftliche Bild aktuell mehr denn je nach Perfektion und monetärem Erfolg strebt, viele Menschen dem aber schlichtweg nicht gerecht werden können, suchen sie andere Wege, damit umzugehen. Viele ziehen dann die Karte der Abwertung. In der Hoffnung, sie lenken dadurch gut genug von sich ab – so dass niemandem auffällt, was bei ihnen selbst alles im Argen liegt. Und meistens zielt diese Abwertung genau auf den eigenen Schwachpunkt.
Wenn also demnächst jemand versucht, deine Beziehung schlecht zu reden, schau dessen Beziehung an. Wenn dir jemand erzählen möchte, wieviel Geld er oder sie zur Verfügung hat, schau genau hin, ob das Gesagte zu den offensichtlichen Fakten passt. Wenn dir jemand vorwirft, gelogen zu haben, prüfe nach, wer wirklich die Unwahrheit spricht. Du wirst dich wundern, wie oft das Problem bei deinem gegenüber liegt. Dazu musst du aber zunächst dem Reflex widerstehen, die Abwertung ungeprüft anzunehmen.
Zum Thema Geld: Jeder hat eine andere Definition von viel und jedem ist unterschiedlich wichtig, was mit dem Geld passieren soll. Wenn jemand aber besonders viel darüber redet und hervorhebt, wieviel auf welchen Konten liegt, sei skeptisch. Lass dich nicht so einfach beeindrucken und geh lieber davon aus, das nicht viel dran ist an der Rederei. Im Gegenteil: Hinterfrage, welche unschönen Tatsachen hier übertüncht werden sollen.
Projektion: Gleiches Prinzip andere Optik
Der Begriff Projektion bezeichnet in der Psychoanalyse allgemein einen Abwehrmechanismus zur Vermeidung der Auseinandersetzung mit eigenen psychischen Inhalten oder Konflikten wie Affekten, Emotionen oder Wünschen.
Bei der Projektion geht es um eine Situation, in der eine Person negative Gefühle oder Unsicherheit auf die andere Person überträgt. Das kann mit aber auch ohne Absicht passieren. Im zweiten Fall geschieht das meistens dann, wenn sich jemand nicht selbst reflektiert.
Es ist vordergründig attraktiv, ein Problem auf jemand anderen abzuwälzen:
- „Du hattest Angst und deswegen sind wir nicht auf den Aussichtsturm geklettert.“ – eigentlich hatte derjenige einfach nur selbst Angst. Aber so musste er diese „Schwäche“ nicht zugeben und konnte seine eigene Angst hinter dir verstecken.
- „Wir haben uns für das 3-Sterne-Hotel entschieden, weil du nicht viel Geld zur Verfügung hast.“ – in Wirklichkeit hatte da jemand anderes kein Geld. Aber so wirft es ein schlechtes Licht auf den anderen und man selbst ist fein raus.
Auch hier ist die Ursache ein geringer Selbstwert, der sich nur in einer anderen, viel subtileren Form zeigt.
Bei Projektionen wird der eigentliche Knackpunkt oftmals mit einem zweiten Aspekt zusammengebracht, um die Sache noch überzeugender klingen zu lassen: „Du fährst doch aus Angst nie mit dem Aufzug. Lass gerne die Treppe nehmen, das tut auch unserer Fitness gut!“ – bei solch einer Äußerung würden die wenigsten Menschen vermuten, dass hier tatsächlich der andere Angst hat. Im ersten Moment klingt die Aussage nachvollziehbar und überzeugend.
Projektion ist letztlich ein psychologischer Abwehrmechanismus, der das eigene Selbstbild schützen soll. Man schreibt anderen Eigenschaften oder Verhaltensweisen zu, die man selbst besitzt, aber ablehnt, um sich selbst zu entlasten. Manchmal ist es den Menschen gar nicht bewusst, dass sie diese Eigenschaft selbst besitzen und ablehnen. Im Alltag erleben wir wenig Situationen, in denen wir Feedback dazu erhalten und selbst hinterfragen wir es nicht, weil wir eben zu sehr im Außen beschäftigt sind. Es ist eben auch ein Mechanismus, um die eignen Themen möglichst nicht tiefliegend anzuschauen. Das wiederum könnte nämlich eine Veränderung nötig machen, die dann wiederum Angst macht. Achtung: niedriges Selbstwertgefühl! (ich kann das nicht, ich schaffe das nicht)
Vielleicht habe ich wirklich etwas falsch gemacht?
Vielleicht fragst du dich, ob es nicht zu einfach ist, zu sagen, dass der andere „schuld“ hat. Es geht hier nicht darum eine Schuldfrage zu beantworten. Es geht darum, warum Menschen dich meiden, ohne dass du verstehst, warum sie das tun. Natürlich kann es sein, dass du einen Fehler begangen hast. Du hast dich vielleicht falsch ausgedrückt oder du hast den anderen verletzt, ohne dass du es wolltest. Sollte das der Fall sein, dann ist es aber die Verantwortung deines Gegenübers, dich darauf anzusprechen. Ich setze hier voraus, dass eine Bekanntschaft oder sogar Freundschaft vorausgegangen ist. Andernfalls würde dich vermutlich nicht beschäftigen, dass du gemieden wirst. Ist deinem Gegenüber also daran gelegen, dass eure Beziehung (welcher Art auch immer) weitergeht, darf ein ehrliches Gespräch erwartet werden. Passiert das nicht, gilt es zu hinterfragen warum. In den meisten Fällen deshalb, weil selbst genug vor der eigenen Türe liegt, was ggf. aufzufliegen droht. Vielleicht fehlt auch schlichtweg die Argumentation z.B. für die Behauptung, du seist ein Lügner. Gesagt ist das schnell – untermauert nicht unbedingt.
Die dritte Möglichkeit ist, dass es deinem Gegenüber egal ist. Ich finde, das sollte auch für dich gelten. Ihr könnt euch auf Augenhöhe begegnen und wenn einer das Niveau verlässt, kann man sicher intervenieren und versuchen, die gleiche Ebene wiederherzustellen. Aber wir sollten uns auch nicht verbiegen, nur weil wir das Gefühl haben, wir müssen an den Ausgangspunkt zurück. Wir haben ja schon gelesen, dass der Selbstwert des anderen nicht unsere Verantwortung ist. Wenn du jemanden verletzt oder ihm irgendwie schadest, ist das nicht cool. Du solltest das nicht einfach so hinnehmen. Entweder derjenige sagt es dir und meldet das Feedback, um die Sache gemeinsam zu klären, oder eben nicht. Wenn das dem Selbstwert des anderen nicht entspricht, ist das schade, aber du kannst das nicht ändern. Es ist also egal, ob du nun schuldig bist oder nicht. Dein Gegenüber kann zur Aufklärung und zu einer Entschuldigung deinerseits beitragen. Es kann nur Menschen geholfen werden, die sprechen! Vermeidung ist auch hier ein Ausdruck von diversen Themen bei deinem Gegenüber. Du wärst ja sicher zu einer Aussprache bereit, wenn du wüsstest, wo dein Fehler liegt bzw. lag.
Manchmal fühlen Menschen sich ertappt
Stell dir vor, du hast das Gefühl sehr viel erreicht zu haben, du kannst dir tolle Dinge leisten und glaubst zu den “oberen“ zu gehören. Dann berichtest du von deinen Möglichkeiten und dein Gegenüber lächelt nur und kontert mit mehr. Mit mehr Urlaub, mit mehr Erfolg und mit dem Wissen, dass das gar nicht das Wichtigste ist. Wie fühlt sich das an? Vielleicht ein bisschen demütigend? Es fühlt sich vielleicht an, als wenn du erwischt worden bist.
Völlig unabhängig davon, ob all diese Dinge wichtig sind, ob sie glücklich machen oder nicht. Es gibt Menschen, die sich darüber definieren, was sie haben oder was sie sich kaufen können. Wenn du ihnen dieses Fundament nimmst, ziehen sie sich zurück. Augenscheinlich mit dem Gefühl, dir überlegen zu sein- in einer anderen Liga zu spielen. Im Innern sieht es sehr oft anders aus. Insgesamt ist es traurig, wenn Beziehungen in Ligen spielen müssen oder es darum geht, wer was oder wieviel hat. Aber es gibt diese Menschen. Das ist auch in Ordnung, aber vertrau an der Stelle auf dein Gefühl und auf das, was du möchtest.
Glaube nicht alles, was du siehst. Das Zitat passt an der Stelle auch gut.
Thema Selbstwertgefühl! Jeder darf sich das leisten, was er kann und möchte. Jeder darf Statussymbole besitzen. Aus meiner Sicht ist die Motivation, mit der diese angeschafft werden, wichtig. Wie Menschen sich präsentieren, verrät mehr über sie als eine teure Tasche oder Uhr.
Im Übrigen: es wird immer jemand kommen, der mehr hat, der mehr Geld erwirtschaftet, der erfolgreicher ist und dem es noch unwichtiger ist, was andere von ihm denken!
Vielleicht bin ich einfach “doof“
Einfältig, uninteressant, langweilig, nervig. Alles Synonyme. Allesamt Adjektive. Das sind alles Worte, die beschreiben sollen, wie ein Mensch ist, wie sein Charakter ist. Ist es gut oder schlecht, doof zu sein? Keine Ahnung. Darf man jemanden so bezeichnen? Ganz ehrlich? Ich denke, du findest sofort einen Menschen in deinen Gedanken, den du „doof“ findest. Deiner Definition von „doof“ zufolge. (Der Mathe oder Englisch Lehrer von damals vielleicht?) Du magst die Person einfach nicht. Ihr versteht euch nicht oder habt euch gestritten. Die Person hat dir etwas geklaut, dir die Vorfahrt genommen oder seinen Hund in deinen Vorgarten pieseln lassen. Irgendwann ist jeder mal doof. Egal, wie man das Wort verwendet oder was man damit meint. Ich will sagen, es ist doch völlig in Ordnung, wenn dich jemand doof findet. Du findest oder fandest doch auch mal jemanden doof. Wenn dich also jemand meidet, ohne dass eine Vorgeschichte da ist und ohne tiefenpsychologisch darauf schauen zu wollen, dann findet derjenige dich an der Stelle einfach doof. Lerne an dieser Stelle zu akzeptieren, dass das zum Leben dazugehört. Du weißt nicht, ob er nicht ganz tief in sich drin, sich selbst viel doofer findet.
Hinweis: aus dem mittelniederdeutschen kennt man doof, als taub. Und das möchte ich hier auf keinen Fall verherrlichen oder missbräuchlich verwenden! Mir geht es inhaltlich absolut nur um den umgangssprachlichen Nutzen von doof. Nicht um taube Menschen oder taub sein!
Kennst du Sätze wie: das ist eine doofe Frage? Oder: das Kleid sieht doof aus. Oder: der neue Sportlehrer ist doof. Oder: denkst du, ich bin doof?
Ich denke diese oder ähnliche Sätze hast du irgendwann in deinem Leben schon einmal formuliert. Wenn nicht…, dann ist das doof. 🙂
Mein persönlicher Impuls
Ich bekomme immer mal wieder Nachrichten mit der Frage, ob ich zu jedem Thema, über das ich schreibe, meine persönliche Erfahrung oder ein persönliches Erlebnis anknüpfen kann. Frei von wissenschaftlichen Erkenntnissen oder einem Lehrbuch, eher aus dem Leben. Nun, wenn ihr das wünscht, bekommt ihr es 🙂
Zu dem heutigen Thema: Ich sage mit voller Überzeugung ich war die meiste Zeit meines Lebens selbstbewusst, selbstbestimmt und von mir und meinen Fähigkeiten überzeugt. Von November 2011 bis März 2013 habe ich Menschen gemieden. Genau aus den oben beschriebenen Gründen. Ich fühlte mich nicht gut. Ich zweifelte an vielen meiner Entscheidungen, haderte mit meinen sogenannten Freunden und die Leidenschaft für meinen Job erlosch. Denn im November 2011 wurde mir diese, durch einen einschneidenden Vorfall in meiner Arbeitsstätte, genommen. Mit wenigen aber richtig tollen Menschen an meiner Seite, mit Mut und Bestimmtheit habe ich diese Zeit überwunden und bin stärker denn je zurückgekommen. Seitdem haben mich meine Überzeugung und das Gefühl richtig zu sein, wie ich bin, nicht mehr verlassen. Ja, natürlich hinterfrage ich mich und manchmal zweifele ich auch kurz. Aber ganz schnell kehre ich zu meinem Innern und zu dem, was ich wirklich möchte und wer ich wirklich bin zurück. Ich meide niemanden, aber ich habe erkannt, wer in mein Leben passt und wer eben nicht. Heute lebe ich ein Leben, wie ich es mir gewünscht habe und auch vor Nov. 2011 hatte, nur anders. Ich lebe MEIN Leben und nicht das Leben, was andere gerne hätten oder von dem anderen glauben, das müsste so sein. Ich bin dankbar für all die guten Dinge, die meine Eltern mir seit frühester Kindheit mitgegeben haben. Das ist nicht selbstverständlich, aber die wichtigste Wurzel, die ein Mensch haben kann.
Dein Coach Nadja