Nadja Brodzina

Coaching aus Leidenschaft - diskret, vertrauensvoll, effektiv

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Monat: August 2025

Wir sprechen nie über unsere Gefühle. Wie können wir das ändern?

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“Ich bin traurig, weil ich das Gefühl habe, dass du sehr mit deiner Arbeit beschäftigt bist und unsere Beziehung vernachlässigst“.

“Ich fühle mich grade ziemlich hilflos, weil mein Chef mir ständig Überstunden aufdrückt.“

“Ich bin total glücklich, weil wir in 2 Wochen in den Urlaub fahren, das wird eine tolle gemeinsame Zeit“.

Klingt doch eigentlich ziemlich simpel und alltagstauglich, oder? Was so einfach klingt und geschrieben auch einfach aussieht, erweist sich in der Realität oft als schwierig. Meistens klingen die Sätze eher so:

“Dir ist unsere Beziehung total egal. Du interessierst dich nur für deine Arbeit.“ Oder: “Deine Arbeit scheint dir ja sehr wichtig zu sein, wenn du dafür die Beziehung hinten an stellst“. Oder “ich scheine dir nicht sonderlich wichtig zu sein, wenn du nur über die Arbeit sprichst.“

“Mein Chef ist ein Idiot, soll er anderen auch mal Arbeit auf’s Auge drücken.“ Oder “ Mein Chef versucht mich bestimmt rauszuekeln, deshalb muss ich so viele Überstunden machen.“

“Endlich mal raus und nichts tun.“ “Ich bin echt urlaubsreif und freue mich, wenn ich nichts höre und sehe.“

Ich denke, der Unterschied ist ersichtlich. Vielen Menschen fällt es schwer Ihre Emotionen zu benennen und mit dem Partner (oder auch anderen Menschen) zu kommunizieren. Es ist aber auch so, dass vielen Menschen nicht bewusst ist, dass sie nicht über Emotionen sprechen. Wenn ich sage, du interessierst dich nur für deine Arbeit, muss doch klar sein, dass mich das wütend macht. Ein Beispiel dafür, dass die meisten darauf hoffen, dass der Andere schon selbst weiß, worum es geht. Unser Gegenüber ist quasi dafür verantwortlich unser Gesagtes bzw. nicht Gesagtes zu verstehen und entsprechendes zu erwidern. Erst wenn das Erwiderte nicht nach unseren Vorstellungen ausfällt, kommt es zum Konflikt. Im übrigen ist es ein Unterschied ob ich sage: “es macht mich traurig“ oder “es macht mich wütend.“ Je nachdem welche Wortwahl ich treffe fällt das Ergebnis unterschiedlich aus. Das sollte auch ins Bewusstsein übergehen. Ich entscheide, welche Reaktion mir entgegen gebracht, in dem ich entscheide, was ich wie formuliere. Dazu muss mir selbst erst einmal bewusst sein, welche Emotion ich empfinde.

Hierzu lade ich dich ein eine kleine Aufgabe zu erfüllen. Versuche so viele Emotionen zu nennen, wie dir einfallen. Klassisch sind traurig, sauer, aufgeregt, ängstlich, wütend, enttäuscht. Versuche mehr zu benennen OHNE zu googeln 😉 Vielleicht kommst du auf 20 oder 30?! Viel Spaß dabei!

Je mehr Emotionen dir bekannt sind, umso spezifischer kannst du kommunizieren und umso weniger Missverständnisse tauchen auf. Es gibt Emotionen die eine große Macht und große Wucht mit sich bringen und unter Umständen heftige Gegenreaktionen auslösen können. Andere wiederum sind dezenter, unauffälliger und lösen bei deinem Gegenüber keine starke Gegenreaktion aus. Du musst immer davon ausgehen, dass dein Gegenüber auch Emotionen hat, die du eventuell in dem Moment triggerst und er dadurch auch seine Reaktion nicht angemessen regulieren kann.

Wo und warum entsteht meine Emotion

Emotionen sind ein Zusammenspiel aus Wahrnehmung, Bewertung, Körperreaktionen, bewusster Erfahrung und Ausdruck. Sie dienen der Orientierung, dem Überleben und der Kommunikation mit anderen. Es gibt einige Psychologische Modelle, (z. B. der Appraisal-Ansatz), die erklären wie Bewertung und Kontext die jeweilige Emotion formen.

Zunächst eine faktisch basierte Erklärung zu Emotionen:

  • Reizaufnahme: Ein Reiz aus der Umwelt oder dem Inneren wird über Sinnesorgane (Augen, Ohren, Haut etc.) aufgenommen.
  • Wahrnehmung: Der Reiz wird im Gehirn erkannt und kategorisiert (z. B. als Gefahr, Freude, Schmerz).
  • Bewertung (Appraisal): Das Gehirn bewertet schnell, ob der Reiz relevant, bedrohlich, belohnend oder irrelevant ist. Diese Bewertung basiert auf vergangenen Erfahrungen, Zielen und den eigenen Werten.
  • Physiologische Reaktion: Je nach Bewertung werden automatisch körperliche Veränderungen ausgelöst (Herzschlag erhöht sich, Atemfrequenz ändert sich, Muskelspannung, Hormone wie Adrenalin freisetzen).
  • Gefühlserleben: Das bewusste Gefühl entsteht durch die Integration der sensorischen Signale, der kognitiven Bewertung und der körperlichen Reaktionen. Hier können Tugenden wie Erkennen, Benennen und Bewerten eine Rolle spielen.
  • Ausdruck und Handeln: Emotionen zeigen sich durch Mimik, Gestik, Stimme und Verhalten. Sie beeinflussen auch Entscheidungen und Handlungen (z. B. Flucht bei Angst, Freude beim Erfolg).

Emotionen haben eine evolutionäre Funktion – sie helfen uns zu überleben und mit unserer Umwelt umzugehen.

  • Schutzfunktion: Angst signalisiert Gefahr → wir fliehen oder verteidigen uns.
  • Bindung: Liebe und Zuneigung fördern soziale Beziehungen → wichtig für Kooperation und Aufzucht.
  • Motivation: Freude motiviert uns, bestimmte Dinge zu tun → z. B. Essen, Lernen, Spielen.
  • Kommunikation: Emotionen zeigen anderen, wie wir uns fühlen → z. B. durch Gesichtsausdruck oder Stimme.

Emotionen sind gar nicht so schlimm. Sie sind auch nichts schlechtes. Zugegeben, Emotionen können durchaus Angst machen und uns verunsichern. Dadurch können wir manchmal gar nicht so richtig mit ihnen umgehen und dann vermeiden wir, über sie zu sprechen. Dadurch bleibt allerdings sehr viel Potenzial für zwischenmenschliche Verbindungen liegen. Nicht nur innerhalb der Beziehung ist es hilfreich über Emotionen zu sprechen, auch im beruflichen Umfeld kann es Türen öffnen, über Emotionen zu sprechen. Es mag Stimmen geben, die das Gegenteil behaupten. Meine Erfahrung aus 20 Jahren im aktiven Berufsleben zeigt, Emotionen. haben noch nie geschadet. Bewusst und selektiv eingesetzt kann die emotionsbezogene Kommunikation zum absoluten Gamechanger werden.

Halte dir immer vor Augen, wenn du etwas erreichen möchtest, hast du einen Anteil daran, dass du es auch tatsächlich erreichen kannst. Das gilt auch für Emotionen. Du erwartest eine gewisse Offenheit, ein liebes Wort oder eine emotionale Offenbarung jeglicher Art, von deinem Gegenüber. Das bedeutet du wartest darauf, dass sich jemand dir gegenüber öffnet. Ok, kannst du machen. Vergiss nicht, dein Gegenüber geht vielleicht genauso heran. Das bedeutet Ihr beide wartet auf den anderen. Was glaubst du, wie wahrscheinlich kommst du nun an das, was du hören möchtest? Wenn du etwas möchtest, darfst du gerne in Vorleistung gehen. Gib dem anderen das Gefühl, es lohnt sich dir das zu geben, was du gerade brauchst.

Ein Beispiel: Dein Partner ist mit einem Freund für’s Kino verabredet, du fühlst dich aber nicht gut und dir wäre lieber, er würde bei dir bleiben und dich umsorgen. Das was du möchtest ist also Nähe, umsorgt werden, gesehen werden, wichtig genommen werden und du möchtest Priorität sein.

Um dahin zu kommen wäre folgende Formulierung denkbar:“ Schatz, ich weiß, Du bist verabredet und du hast dich schon gefreut. Allerdings fühle ich mich nicht sehr gut heute und mir würde es besser gehen, wenn du bei mir bleibst. Das gibt mir immer ein wohliges Gefühl- das kann ich gerade gut gebrauchen. Vielleicht kannst du die Verabredung in den nächsten Tagen nachholen“?

Eine Möglichkeit von vielen. Du gehst auf deinen Partner ein und nimmst wahr, dass dort eine Entbehrung entstehen könnte, du teilst deine Emotion mit und eröffnest deinem Partner die Möglichkeit sich zu kümmern, “wichtig“ zu sein (ich kenne niemanden, dem das nicht gefällt bzw. der sich das nicht wünscht) und gibts die Handlungsoption schon zur Hälfte vor. Jetzt ist es an deinem Partner die anderen 50% zu gehen.

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Wenn man nie gelernt hat über Gefühle zu sprechen

Zugegebenermaßen ist es dann schwer. Es gibt mehrere mögliche Gründe, warum in deiner Familie nicht über Gefühle gesprochen wurde. Wenn Eltern oder Bezugspersonen selbst selten Gefühle benennen, lernt man unbewusst, es ihnen gleichzutun. Die Angst vor Konflikten oder Ablehnung, wenn man Gefühle offen zeigt, hemmt auch, Gefühle auszusprechen und anderen mitzuteilen. Auch kulturelle oder familiäre Normen können der Grund sein, weshalb in deiner Familie nicht über Gefühle gesprochen wurde. In manchen Familien gilt Zurückhaltung oder Stillschweigen als normgerecht. Das gilt natürlich nur, wenn sich mehrere Kulturen in deiner Familie wiederfinden und ein bzw. beide Elternteile einer anderen Kultur angehören als der hiesigen. Vielleicht ließ der Alltag deiner Eltern bzw. der Menschen, bei denen du aufgewachsen bist, schlicht keine tiefgründigen Gespräche zu. Hektik und Alltagstress machen Gespräche über Gefühle weniger wahrscheinlich. Wenn die Menschen in deinem Umfeld nicht gut über die Bedeutung von Gefühlen informiert waren, wurde diesem Thema keine hohe Priorität beigemessen, sodass du dir dies auch nicht abschauen konntest. Mach deinen Eltern keinen Vorwurf, ich bin sicher, sie haben nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Sie wussten es nicht besser. (Familien, in denen Gewalt und Bedrohung Thema waren, schließe ich von dieser Aussage aus. Gewalt ist immer eine bewusste Entscheidung!) Andersherum kann es auch sein, dass du ein emotionales Übermaß hast. Das heißt, du wurdest mit Gefühlen und Gesprächen darüber überladen und hast das Gefühl, dass dir die Worte fehlen bzw. du schon alles gesagt hast. Auch das ist kontraproduktiv, wenn es darum geht, innerhalb deiner Partnerschaft oder anderen Verbindungen über Gefühle zu sprechen.

Je nach Verhältnis und Kontakt zu deinen Eltern kann es hilfreich sein, das Thema aus heutiger Sicht anzusprechen. Ihr könnt Altlasten aufarbeiten und zukünftige Gespräche konstruktiver und emotionaler gestalten. So lernt ihr euch auf einer anderen Ebene kennen und erfahrt Dinge, die euch dabei helfen können, einander in Zukunft besser zu verstehen. Ebenso können Missverständnisse aus der Vergangenheit geklärt werden, die vielleicht sogar die Stimmung negativ beeinflusst haben. Gleiches gilt übrigens für alle Menschen in deinem Umfeld.

Wie gehst du es an

  • Schaffe dir einen Überblick über die verschiedenen Emotionen bzw. deren Definitionen. Die Grundemotionen lauten: Angst, Wut, Trauer, Freude. Sortiere nun zu jeder Hauptemotion ca. 15 “Untermemotionen“ bzw. Umschreibungen. So erweiterst du deinen emotionalen Wortschatz.
  • Analysiere nun, welche Emotionen du kennst, welche vorherrscht und in welchen Situationen sie aufkommen. Du kannst eine Art Tagebuch darüber führen und nach wenigen Wochen erhältst du einen Überblick über dein “Fühl- Muster“
  • Hinterfrage, bei welchen Emotionen und Situation du gerne anders empfindest würdest und wie du empfinden möchtest. Möchtest du anstatt Wut vielleicht lieber Trauer oder Angst empfinden? Oder ist die Wut eher eine Enttäuschung?
  • Was kannst du konkret tun, um dort hinzukommen. Wie kannst du deine Gedanken und dein Handeln lenken, dass am Ende deine gewünschte Emotion dabei herauskommt.
  • Fange an immer wieder zu kommunizieren, was in dir vorgeht, was du fühlst, was dein Gegenüber gerade in dir auslöst. Stück für Stück. Fang zum Beispiel an mit: “heute morgen bin ich erschöpft, das macht mich unruhig, weil ich einen wichtigen Auftrag zu erledigen habe“.

Besser spät anfangen, als niemals

Das trifft doch irgendwie auf alle Lebensbereiche zu, oder? Es ist nie zu spät, etwas zu ändern, neu zu beginnen oder etwas anders zu machen als bisher. Es lohnt sich auch immer, Gespräche über Gefühle zu führen. Egal, an welchem Punkt in deinem Leben du stehst: Fang an! Jeder Schritt ist besser, als stehen zu bleiben. Geh los, und du wirst sehen, was Tolles auf dich wartet. Freue dich auf tolle Gespräche, neue Erkenntnisse und wundervolle Begegnungen!

Dein Coach Nadja

Mein Partner hat plötzlich andere Wünsche, als die, die wir zu Beginn beide hatten. Muss ich das akzeptieren?

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Wenn man eine Beziehung eingeht, sind die Ziele meistens sehr ähnlich oder sogar gleich. An dieser Stelle ist es wichtig zu betonen, dass es genau so sein sollte, wenn man Beziehung als nah, verbindend, gemeinschaftlich und als ein Miteinander definiert. Die gängige Überzeugung „Gegensätze ziehen sich an“ stimmt nur bedingt. Mehr dazu in diesem Artikel. Wir wollen also unsere Lebensträume gemeinsam leben und uns unsere Herzenswünsche erfüllen. Das führt zu großen Gefühlen und Schmetterlingen im Bauch. Es gibt doch nichts Schöneres, als einen Menschen gefunden zu haben, der die gleichen Ziele und Träume hat wie ich selbst, oder?

Gegensätze ziehen sich an – stimmt das wirklich?

Viele Menschen glauben fest daran, dass Gegensätze sich anziehen und dass Unterschiede in Charakter, Interessen oder Lebensweisen eine Beziehung spannend und bereichernd machen. Dieses Sprichwort ist in vielen Kulturen bekannt und wird oft als Erklärung für die Anziehung zwischen Menschen herangezogen. Doch ist das wirklich immer so? Oder gibt es auch Gründe, warum Gegensätze manchmal eher hinderlich oder blockierend sein können?

Gegensätze können in der Tat für Spannung sorgen. Wenn jemand zum Beispiel sehr ruhig und introvertiert ist, kann die lebhafte und extrovertierte Persönlichkeit eines anderen Menschen aufregend und anziehend wirken. Solche Unterschiede können das Leben abwechslungsreicher machen und neue Perspektiven eröffnen. Sie können auch dazu beitragen, voneinander zu lernen und den eigenen Horizont zu erweitern. Jeder hat die die Möglichkeit, in verschiedenen Lebensbereichen, neue Wege auszuprobieren die mit der eigenen Persönlichkeit unentdeckt blieben.

Trotz der anfänglichen Anziehungskraft können Gegensätze auch Konfliktpotenzial bergen. Wenn grundlegende Werte, Lebensziele oder Kommunikationsstile stark auseinandergehen, kann das zu Missverständnissen und Schwierigkeiten führen. Unterschiedliche Vorstellungen von Freizeitgestaltung, Finanzen oder Zukunftsplänen erschweren oft das gemeinsame Leben. Auch unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse in der Sexualität können zu Frustration führen. Besonders in diesem sensiblen Bereich plädiere ich stark dafür, sich nicht zu sehr zu verbiegen und Dinge zu tun, die man eigentlich nicht möchte. Jeder Mensch hat den Respekt verdient, dass Wünsche und Sorgen ernst genommen werden.

Was ist also richtig?

Es kommt auf die Balance an. Gegensätze können eine Beziehung bereichern, solange die wichtigsten Werte und Grundüberzeugungen übereinstimmen. Gemeinsame Interessen, gegenseitiger Respekt und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, sind entscheidend. Oft sind es die Gemeinsamkeiten, die eine stabile Basis schaffen, während Unterschiede für die Würze sorgen.

„Gegensätze ziehen sich an“ kann stimmen – aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Es ist schön, Unterschiede zu schätzen und voneinander zu lernen, doch für eine langfristige und harmonische Beziehung sind gemeinsame Werte und eine gemeinsame Vision oft wichtiger, als der Gegensatz. Letztlich kann die Mischung aus Gemeinsamkeiten und Akzeptanz der Unterschiede eine Beziehung stark machen, dabei ist aber zu beachten, dass diese Beziehung deutlich kommunikationsstärker und die Personen resilienter sein sollte, als jene, wo die Gemeinsamkeiten überwiegen.

Wenn sich Träume verändern

Wenn wir Menschen kennenlernen, vor allem den einen Menschen, dann überwiegt die Freude, das Begehren, die Lust aufeinander in allen Bereichen. Wir möchten jeden Moment gemeinsam erleben und der Welt erzählen, dass wir endlich den Deckel gefunden haben, nachdem wir (vielleicht) lange gesucht haben. Das ist wichtig und richtig. Oft bleiben die Gespräche auf schöne Themen beschränkt, weil wir sowieso nicht glauben, dass dieser perfekte Mensch Makel haben könnte. Jeder möchte sich von seiner besten Seite zeigen und natürlich hat man auch die gleichen Lebensziele, oder? Wenn man Verliebte nach gemeinsamen Zielen und Träumen fragt antworten ca. 83% mit: “wir haben die gleichen Ideen vom Leben, möchten beide Kinder und sind uns beide einig, dass Ehrlichkeit der wichtigste Faktor ist.“ (sinngemäß) Auch in der Arbeit mit meinen Klienten bestätigt sich diese oder ähnliche Aussagen. Klingt doch erstmal wunderbar und natürlich nach dem, was jeder hören möchte. Fatal ist nur, dass es an der Stelle oft nicht weiter in die Tiefe geht. Warum? Schlicht weil sich die meisten Menschen nicht mit ihren wahren Lebenszielen auseinandersetzen und sich oft nicht darüber bewusst sind, was eigentlich innere Antreiber und Motivation im Leben sind.

Hand auf’s Herz: wie oft hast du dich oder deinen Partner gefragt: “warum bedeutet der Tierschutz soviel? “Was verbindest du mit Hobby xy?“ “Was hat dich bewogen den Leistungssport hinter dir zu lassen?“ “Gibt es einen Grund, weshalb dir das Schwimmen so wichtig ist?“ “Hast du das Hobby weitergeführt, aus deiner Familie?“ “Was gibt dir das xy, was du durch nichts anderen bekommen kannst?“

Es gibt viele weitere Möglichkeiten tiefergehend zu fragen und herauszufinden, warum jemand etwas tut oder eben nicht mehr tut. Betrachten wir diese Thematik nicht tiefergehend, kann es zu großen Überraschungen kommen. Etwa, dass der Partner nach einigen Jahren Beziehung plötzlich auf die Idee kommt, in den Karnevalsverein einzutreten. Vielleicht auch, dass die Partnerin plötzlich Tanzkurse belegen möchte oder einer der beiden eine Weltreise mit der besten Freundin plant (anstatt mit dem Partner). Meistens entstehen diese Wünsche nicht plötzlich, nicht über Nacht und auch nicht aus einer Laune heraus. Vielmehr stecken verborgene Sehnsüchte, Wünsche und nicht erfüllte Bedürfnisse dahinter. Je mehr ich mich also mit mir, meinen inneren Antreibern, meinen Lebenszielen und denen meines Partners auseinander setze, umso unwahrscheinlicher sind “böse“ Überraschungen. Was aber, wenn sich Träume und Wünsche doch sehr voneinander weg bewegen?

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Sich selbst treu bleiben versus getrennte Wege

Die Frage ist: Was muss oder soll ich akzeptieren? Ab wann sollte ich überlegen, ob ich mich mit den neuen Träumen und Wünschen meines Partners identifizieren kann oder ob eine Trennung der bessere Weg für uns beide wäre? Grundsätzlich dann, wenn du ungute Gefühle verspürst, wenn etwas gegen deine Grundsätze verstößt oder wenn die Veränderung dein Leben negativ beeinflusst. Diese negative Beeinflussung kann monetärer Natur sein, deine Werte missachten, sich in der politischen Haltung äußern oder durch Zeitfaktoren bedingt sein. Für dich sollten sich also zunächst einige Fragen auftun. Diese liste ich weiter unten auf. Danach solltest du dir selbst einige Fragen stellen. Auch dazu findest du am Ende des Artikels eine Auflistung.

Wichtig ist: Niemand muss etwas dulden, aushalten oder akzeptieren, nur weil er oder sie in einer Beziehung ist. Dass sich Wünsche im Laufe des Lebens verändern, ist völlig in Ordnung. Faktoren wie Lebenszeit, Erfahrungen, Austausch im sozialen Umfeld und einschneidende Lebensereignisse können dazu beitragen, dass sich unsere Sicht und Haltung verändern. Innerhalb einer Beziehung ist es ratsam, über diese Themen im Austausch zu bleiben bzw. zu kommunizieren, sollte man Veränderungen bemerken. Beiseiteschieben, Missachten oder Nichtwichtignehmen ist nicht hilfreich, um Vertrauen zueinander aufzubauen und sich auf einer emotionalen Ebene zu begegnen. Außerdem riskiert man so, den Partner einige Jahre später vor vollendete Tatsachen stellen zu müssen und provoziert eine Trennung oder tiefe Enttäuschung. Wenn du also das Gefühl hast, dass die anstehende Veränderung oder die Umsetzung neuer Träume deines Partners dein Leben zu stark negativ beeinflussen, solltest du das Gespräch suchen und gegebenenfalls auch eine Beendigung der Beziehung in Erwägung ziehen. Unüberbrückbare Differenzen sind keine mediale Erscheinung, sondern eine durchaus mögliche Entwicklung.

Leider halten Paare viel zu oft einfach nur aus. Die eigenen Glaubenssätze sind teilweise so fest verankert, dass es einfacher erscheint, alles zu akzeptieren. Klassische Sätze sind: „Ich kann meinem Partner ja nicht verbieten, dass …!”

„Ich kann mich ja nicht trennen, nur weil …!”

„Man darf ja nicht alles hinschmeißen, nur weil …!”

„Als Partner muss man akzeptieren, wenn …!”

Wenn Sätze so beginnen, dann weiß ich, da sind alte – antrainierte Muster am Werk. Dann weiß ich aber auch, der Wunsch zu handeln ist da, der Mut nicht, um es auch zu tun. In diesen Sätzen befinden sich ganz viele Blockaden, die es schier unmöglich machen, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Es geht nicht darum, dem Partner etwas zu verbieten. Aber warum soll man sich an der Stelle selbst etwas verbieten? Es geht nicht darum, sich zu trennen, aber warum ist man sich nicht wichtig genug, sich selbst ernst zu nehmen und über Emotionen und Gedanken zu sprechen. Wer redet von hinschmeißen? Es geht um das Auseinandersetzen.

Wenn einer von beiden beispielsweise eine Vereinstätigkeit aufnehmen möchte, hat das oft zur Folge, dass viel Zeit investiert werden muss, um Veranstaltungen, Versammlungen, Feste oder andere Arrangements zu besuchen. Je nachdem spielt auch der Kostenfaktor eine Rolle. Es geht um Beiträge, das Ausrichten von Feiern und die Unterstützung sozialer Projekte. Das ist durchaus ein relevantes Thema für eine Beziehung. Es verändert sich dadurch etwas für den Partner und das sollte nicht einfach hingenommen, sondern im Vorfeld sorgfältig besprochen werden. Man sollte die Vor- und Nachteile durchleuchten und betrachten, inwieweit die Beziehung dadurch belastet werden kann.

Wenn einer von beiden eine große Reiselust entwickelt, ist auch das ein Thema, das besprochen werden muss. Wenn sich der andere Partner das ebenfalls vorstellen kann, müssen folgende Fragen geklärt werden: Was bedeutet das für die Jobs, die Urlaubstage, die finanzielle Belastung, das Familienleben und die weitere Freizeitgestaltung? Gleiches gilt für das Gegenteil. Wenn ein Partner nicht mehr gerne verreist und keine weiten Strecken mehr zurücklegen möchte. Ist das eine Belastung oder können beide Partner damit umgehen, ohne dass es eine negative Beeinflussung des eigenen Seins bedeutet? Wenn sich einer von beiden zukünftige Reisen mit Freunden oder anderen Menschen vorstellt, kann auch das zu Differenzen führen. Generell sind Themen, bei denen es um finanzielle, soziale oder zeitliche Veränderungen geht, intensiv zu bearbeiten und zu besprechen. Keiner sollte vor vollendete Tatsachen gestellt werden oder das Gefühl haben, einer Entscheidung ausgeliefert zu sein. Selbstwirksamkeit ist keine Einbahnstraße!

Auflistung für das Gespräch mit dem Partner, der die Veränderung anstößt

  • was hat diesen Wunsch ausgelöst?
  • durch was haben sich deine Träume derart verändert?
  • seit wann verspürst du den Wunsch nach …
  • was erhoffst du dir dadurch?
  • meinst du, es gibt andere Möglichkeiten, dieses Gefühl in dir auszulösen?
  • ich habe das Gefühl, du kompensierst etwas, was dir fehlt. Was meinst du?
  • Vielleicht versuchen wir über andere Veränderungen, deine Bedürfnisse zu befriedigen?
  • Wie fühlst du dich mit dieser Entscheidung?
  • Was glaubst du, verbessert sich dadurch?

Auflistung mit Fragen für dich selbst

  • möchte ich einen Partner, der ein Vereinsleben führt?
  • möchte ich die Konsequenz mittragen?
  • kann ich diesen Weg finanziell mit gestalten?
  • sehe ich mich als Partner ausreichend gesehen?
  • passt das zu meinem eigenen Lebensentwurf?
  • kann ich meine Ziele dennoch weiter verfolgen?
  • möchte ich eine Partnerschaft, in der wenig Zeit für gemeinsames bleibt?
  • kann ich meinen Werten treu bleiben?
  • habe ich gute Gefühle mit dieser Veränderung?

Veränderungen, neue Wünsche, andere Träume und neue Erkenntnisse darüber, was für einen selbst wichtig ist, müssen nicht schlecht sein. Es darf nur nicht dazu führen, dass sich ein Partner unwohl oder unverstanden fühlt. Grundsätzlich können Partner daran wachsen und sich gegenseitig stützen. Dazu müssen beide bereit sein, und eine offene und ehrliche Kommunikation ist Voraussetzung.

Vielleicht ist es hilfreich, eine andere Perspektive einzunehmen und zu erkennen, dass wir unseren Partner auch schützen können. Schützen davor, eine Entscheidung zu treffen, die in einer anderen emotionalen Verfassung, die durch ein offenes Gespräch oder grundlegende Veränderungen innerhalb der Beziehung erreicht werden könnte, so nicht getroffen worden wäre. Es gibt immer verschiedene Möglichkeiten, etwas zu betrachten. Wichtig ist nur, dass man es tut!

Dein Coach Nadja